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Inklusion vs. Integration – was ist was und wo liegt der Unterschied?

Du interessierst dich für Menschen mit Behinderungen oder möchtest dich sogar aktiv mit dem Thema auseinandersetzen? Löblich, löblich! In dem Fall werden dir aber schnell zwei Begriffe begegnen, die oft verwechselt, unter einen Hut gesteckt oder sogar als Synonyme verwendet werden. Das Ziel mag bei „Inklusion“ und „Integration“ zwar identisch sein, aber der Weg unterscheidet sich schon in der Ausgangslage. Während einer der beiden Prozesse von Beginn an alle Menschen berücksichtigt, werden sie bei dem anderen Prozess erst außen vor gelassen, was anschließende Maßnahmen erfordert.

Kannst du dir denken, welcher Prozess Inklusion und welcher Integration ist?

Was ist Integration?

Den Begriff „Integration“ kannst du ganz leicht von „etwas integrieren“ ableiten. Demnach wird etwas oder jemand in ein bestehendes System hinzugefügt oder eben integriert. Sprich, es müssen Maßnahmen getroffen werden, um diese Integration überhaupt zu ermöglichen. Vorhandene Strukturen werden aufgerissen und Anpassungen werden vorgenommen. Hätte man doch direkt an die Menschen „am Rande der Gesellschaft“ gedacht und sie berücksichtigt.

Beispiel: Wir bauen eine Schule

Lass uns gemeinsam eine Grundschule bauen. Eine, in der sich die Schüler wohlfühlen und zu der sie gerne kommen. Vor allem ein Aufenthaltsraum muss her, damit sich alle Jungs und Mädchen an Regentagen im Warmen aufhalten und spielen können.

Unsere Schule steht und die Schüler kommen gerne – Mission gelungen. Oder etwa nicht?

Wer hätte gedacht, dass es bei rund acht Millionen Menschen mit Behinderung auch Kinder in unserer Umgebung gibt, die im Rollstuhl sitzen. Als die Mutter von Timmy, einem aufgeweckten kleinen Jungen im Rollstuhl, ihn an unserer Schule anmelden will, ist die Enttäuschung groß. Keine Aufzüge und keine Rampen, sondern nur Treppen.

Wie lösen wir das Problem? Indem wir einen Lift bauen müssen, Umbaumaßnahmen in die Wege leiten und uns fragen, warum wir nicht schon vorher an Schüler mit Behinderungen gedacht haben. So müssen wir jetzt im Nachgang Anpassungen vornehmen, damit der kleine Timmy unsere Schule besuchen kann und wir ihn in unser bestehendes Schulsystem integrieren können.


Was ist Inklusion?

Bei der Inklusion muss niemand in ein bestehendes System integriert werden. Warum? Weil schon bei der Planung und Umsetzung die Chancengleichheit für alle bedacht wird. Statt sich nur auf einen Teil der Gesellschaft zu konzentrieren, werden alle Menschen einbezogen. Vorhandene Strukturen müssen somit nicht aufgerissen und angepasst werden.

Jetzt bauen wir eine inklusive Schule – auch für Timmy

Während wir in unserem ersten Beispiel eine inklusionsfreie Schule gebaut haben, was anschließende Maßnahmen erforderte, machen wir es diesmal direkt für alle. Immerhin sind gut ein Zehntel der deutschen Bevölkerung Menschen mit Behinderungen, wozu auch Kinder gehören. Damit auch die Kids im Rollstuhl an unserer Schule lernen können, haben wir bei der Planung Rampen und Aufzüge bedacht. So ist die Schule schon bei der Eröffnung für jeden zugänglich und steht ganz im Zeichen der Inklusion.

Inklusion berücksichtigt uns alle – Integration eben nicht

Vermutlich ist der Groschen bei dir längst gefallen und du kennst den Unterschied der beiden Begriffe. Bei der Inklusion werden von Beginn an alle Maßnahmen getroffen, um eine absolute Chancengleichheit zu schaffen und allen die gleichen Möglichkeiten einzuräumen. Anhand des Rollstuhl-Beispiels ließ es sich am leichtesten erklären, allerdings ist Inklusion ein Thema, das uns alle betrifft. Immerhin möchte niemand ausgegrenzt werden oder das Gefühl haben, dass Dinge extra geändert werden müssen. Wäre ein inklusives Denken in unseren Köpfen verankert, müssten wir gar nicht über Integration sprechen.

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