Zwei Rollstuhlfahrer im Kampf – Inklusion von wegen

Zwei Rollstuhlfahrer im Kampf – wenn Barrierefreiheit Barrieren in den Weg gelegt werden

 

München City, Fürstenfeldbruck und zwei Betroffene, die es wirklich schon schwer genug haben. Ernst Weißberger und Concetta Tatti teilen nicht nur ein Schicksal. Es sind zwei Rollstuhlfahrer im Kampf gegen Nachbarn und Behörden. Während Deutschland laut nach Gleichstellung schreit, scheint Inklusion in manchen Regionen immer noch ein Fremdwort zu sein.

Die beiden Beteiligten haben es durch ihre Erkrankungen im Leben schon mit diversen Einschränkungen zu tun. Was sie wollen? Nur ein kleines Recht auf Freiheit und nicht mehr. Das ist ja wohl nicht zu viel verlangt, oder? Immerhin können wir alle nach Lust und Laune das Haus verlassen oder einen sonnigen Nachmittag auf der Terrasse verbringen. Warum sollten nicht unsere Mitmenschen mit Handicap die gleichen Rechte auf Freiheit und Lebensqualität haben? Anscheinend gibt es in unserer aufgeklärten Zeit immer noch Exemplare, die es ihnen nicht gönnen.

Deshalb stehen zwei Rollstuhlfahrer im Kampf gegen Nachbarn und selbst gegen die regionalen Behörden. Zwei Städte und ein lang andauernder Prozess voller Schikane und Hilflosigkeit. Dabei handelt es sich in den beiden Fällen um, objektiv betrachtet, reinste Banalitäten.

Concetta Tatti will nur ihre Terrasse benutzen

Was für die einen Menschen selbstverständlich und alltäglich ist, ist für Concetta schon seit 4 ½ Jahren ein harter Kampf. Der Grund? Da sie aufgrund von Rheuma an einen elektrischen Rollstuhl gebunden ist, hat sie es schon nicht leicht, eine barrierefreie Wohnung zu finden. Zuvor wohnte die lebenslustige Rollstuhlfahrerin in der 9. Etage und hatte dauernd das Vergnügen eines kaputten Aufzuges.

Nach langer Suche fand sie endlich eine Wohnung, im Erdgeschoss gelegen und komplett rollstuhlgerecht. Das einzige Manko ist lediglich eine Terrasse, die mit Kies ausgestattet war. Wer jetzt denkt, dass sich so ein Hindernis leicht mit einer anderen Oberfläche ändern lässt, kennt die Nachbarn und die örtlichen Behörden nicht. Logischerweise besteht mit einem solchen Rollstuhl die Gefahr des Steckenbleibens. Um diese zu umgehen und die Terrasse auch als solche nutzen zu können, bieten sich professionell verlegte Holzdielen doch perfekt an, oder? Klingt logisch, ist aber laut der Nachbarn und der Gemeinde nicht so.

Angeblich hindern die Holzdielen Wasser daran, sich richtig zu verteilen und abzusickern. Concetta Tatti hat lediglich einen Teil des Kieses weggenommen und die Oberfläche mit Holzdielen verkleidet, die genügend Spalt haben. Neben dem großen Gullideckel kann so das Wasser in Mengen ablaufen. Die Gemeinde macht daraus jedoch seit über vier Jahren schon einen Spießrutenlauf für die junge Dame.

Niemandem wurde durch diesen Umbau, der auf eigene Kosten erfolgte, Schaden zugefügt. Ebenfalls ist dadurch keine Wertminderung oder ähnliches entstanden. Warum müssen sich die Behörden mit solchen Dingen beschäftigen? Gerade in den aktuellen, aber auch in allgemeinen Zeiten, sollte man denken, dass die Menschen mehr gelernt haben.

Zwei Rollstuhlfahrer im Kampf

Eine, der zwei Rollstuhlfahrer im Kampf, lässt sich jedoch nicht unterkriegen und steht für ihre Rechte ein. Immerhin geht es hier nur um einen Bodenbelag und nicht um den Umbau der kompletten Terrasse.   

 

Ernst Weißberger wollte keinen Hausarrest mehr

Wer in der jüngsten Vergangenheit schon in Quarantäne steckte, fand es bestimmt nicht gerade belebend. Jetzt stellt man sich diesen Zustand einfach mal 1 ½ Jahre vor und sitzt dabei noch im Rollstuhl. Das Leben an der Fensterbank, um irgendwie frische Luft zu schnappen und zumindest das Gefühl von Freiheit zu spüren. Während andere Hausbewohner kommen und gehen konnten, konnte Ernst Weißberger dabei nur zusehen.

Wer klar bei Verstand ist, würde sich über eine Lösung für dieses Dilemma und für Herr Weißberger freuen. Selbst war der Herr und finanzierte und organisierte den Bau einer Rampe, die ihm endlich das ermöglichte, was uns allen selbstverständlich vorkommt. Durch die Rampe genießt er, leider muss man es so nennen, den Luxus, das Haus eigenständig verlassen zu können. Überwältigt von diesen neuen Wegen, fuhr er sogar nachts einfach raus, um so die Nachtluft wieder hautnah zu erleben.

Während sich die meisten Anwohner für den sympathischen Rollstuhlfahrer und seine neue Freiheit freuen, muss mal wieder einer querschießen. Ein Bürokratenreiter aus der Nachbarschaft, der zeitgleich auch ein Mitglied der Wohnungseigentümergemeinschaft ist, meldet sich zu Wort.

[…] die monströse Rollstuhlrampe […] verschandelt angeblich den kompletten Wohnkomplex. Worte, wie Wertminderung und andere unfundierte Bemerkungen, von denen es sonst keinerlei gibt. Andere Hausbewohner freuen sich über die Aufwertung der Lebensqualität und sehen die Sache menschlich.

Nun will der Nachbar in einer erneuten Sitzung die Alternativen zu der, wohl bemerkt, schon gebauten Rampe, durchgehen. Natürlich macht der Abriss großen Sinn und die Montage eines Treppenliftes ist die Lösung, da er ja nur Treppenhaus und Eingang einengen würde. Herr Weißberger hat für eine Alternative und eine Lösung gesorgt, die keinem ins Auge fällt, außer natürlich mal wieder einem Nachbarn.

Wir drücken ihm die Daumen, dass auch bei einer erneuten Abstimmung der Verstand und die Menschlichkeit gewinnt.

Zwei Rollstuhlfahrer im Kampf und wir drücken ihnen alle Daumen

Abschließend können wir nur noch einmal darauf hinweisen, dass hier zwei Rollstuhlfahrer im Kampf um ein bloßes Lebensrecht sind. Trotz der Hürden, die ihnen Behörden und leider auch die Mitmenschen in den Weg legen, machen sie weiter und geben nicht auf. Da kann man nur den Hut ziehen und hoffen, dass sie nicht nur den Kampf gewinnen, sondern auch eine Inspiration sind.

Sie stehen für das ein, was sich viele nicht trauen und wir wünschen uns, dass sich das in Zukunft ändert.

Im Fall von Concetta könnte es gegebenenfalls zu einer Petition kommen. Ihr wisst dann also genau, was zu tun ist. Wir versuchen euch auf jeden Fall auf dem Laufenden zu halten und wünschen Concetta und Ernst alles Glück der Welt und drücken alle Daumen, die wir finden können.

 

In dem Video könnt ihr euch selbst ein Bild machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.